von Sebastian Schäuffele | 1. November 2017

BDK-Fortbildung zum Thema Griechische Plastik in Tübingen

Am Freitag, den 06. Oktober fand in Tübingen die BDK-Fortbildung zum neuen Schwerpunktthema „Verkörperungen/ Griechische Plastik“ statt. Im ehrwürdigen Schloss Hohentübingen, welches machtvoll über der Altstadt thront, befinden sich auch die zentralen Räumlichkeiten des „MUT“, des „Museums der Universität Tübingen“, welches seit 2006 alle hochschuleigenen Sammlungen unter einem Dach vereint. Für das neue Schwerpunktthema war die Sammlung des Instituts für Klassische Archäologie der ideale Ort, um interessierte Kolleginnen und Kollegen in das Thema einzuführen. Nach einer sehr herzlichen Begrüßung durch den Leiter des Museums, Professor Seidl, führte Prof. Richard Posamentir die circa 90 angereisten Zuhörer in die unterschiedlichen Epochen der griechischen Antike ein. Herr Posamentir ist als Professor für klassische Archäologie an der hiesigen Eberhard-Karls-Universität ein sehr versierter Kenner dieser Materie, der in seinem knapp einstündigen Vortrag einen kenntnisreichen Bogen von der Archaik über die Klassik bis hin zum Hellenismus schlug. Dabei gelang es ihm vortrefflich, neben den grundlegenden Aspekten, die dem ein oder anderen Kollegen sicherlich schon vertraut waren, weitere Forschungsschwerpunkte und Themengebiete anzureißen, die über die allgemeine Kenntnis dieser Epoche hinausführten – beispielsweise die anschauliche Gegenüberstellung regionaler Unterschiede, unter anderem verdeutlicht an den beiden Heroen Phidias und Polyklet, die spannende Frage nach der Polychromie, die unterschiedlichen Funktionen verschiedener Skulpturentypen verbunden mit diversen anschaulichen Exkursen in die Lebensphilosophie der damaligen Zeit.

Im Anschluss konnten die Teilnehmer den grandiosen Rittersaal besichtigen, welcher die größte Sammlung antiker Gipsabgüsse in Baden-Württemberg beherbergt. Das gesamte „Who Is Who“ antiker Statuen steht hier in einem weitläufigen Saal vereint – Nike von Samothrake direkt neben Laokoon, Polyklet Reih in Reih mit Phidias und die archaischen Kouros-Jünglinge in direkter Blickachse sich anlächelnd. Bei diesem überwältigenden Anblick maßstabsgetreuer Abgüsse, bekamen nicht wenige Besucher Lust, sich mit Skizzenbuch und Bleistift in diesem Panorama zu verlieren, jedoch war hierfür an diesem Nachmittag leider nicht mehr die Zeit, vielmehr vertiefte Professor Posamentir einzelne Fragestellungen des Vortrags direkt an ausgewählten Exponaten. Danach konnten die Teilnehmer beim Überqueren des Schlosshofes noch einen weiteren, gewaltigen Zeitsprung in der Geschichte der Kunst machen, und zwar knapp 40.000 Jahre zurück zu den ältesten Kunstwerken der Menschheit, welche als UNESCO-Weltkulturerbe geschützt sind – in einem abgedunkelten Raum konnte man in Glasvitrinen den Großteil der Eiszeitfunde der schwäbischen Höhlen studieren, u.a. das berühmte kleine Wildpferd und das Mammut, welche mit genauster Beobachtungsgabe und künstlerischer Versiertheit aus Elfenbein geschnitzt wurden.

Dieser Anfangspunkt in der Geschichte der Kunst bildete somit den Schlusspunkt dieser BDK-Fortbildung. Viele Teilnehmer hatten die Sammlung zum ersten Mal gesehen und waren von der Fülle der Exponate schwer beeindruckt, und es wird bei dem ein oder anderen sicherlich nicht der letzte Besuch gewesen sein.

Gerade der weitläufige Rittersaal mit den Abgüssen bietet sich geradezu ideal an, um mit Schülern sowohl anschaulich theoretisch als auch praktisch mit Zeichenstift und Papier Querverbindungen zu den unterschiedlichen Künstlern und Epochen in einem einzigen Saal erleben zu können, doch auch für jüngere Schulklassen bietet die Sammlung, vor allem auch in Verbindung mit der Eiszeitkunst, ein lohnenswertes Ziel.

Wir möchten uns an dieser Stelle ganz herzlich bei Professor Seidl und Prof. Birende bedanken, die uns die Räumlichkeiten der Schlosskirche für den Vortrag zur Verfügung stellten und die Führungen in den Sammlungen möglich machten bzw. selbst durchführten. Unser ganz besonderer Dank gilt Professor Posamentir, der sich nicht nur für den Vortrag verantwortlich zeichnete, sondern sich darüber hinaus auch bereit erklärte, eine schriftliche Fassung des Vortrags für unser inform-Heft auszuformulieren, sowie Literaturempfehlungen für Einsteiger und Fortgeschrittene zu erstellen. Und als ob das nicht schon genug wäre, hat sich Professor Posamentir sogar für einen vertiefenden Vortrag bereit erklärt, und zwar zum Thema „Den steinernen Figuren auf den Grund gehen – ausgewählte Beispiele der griechischen Plastik und ihre tiefere Bedeutung“.

Dieser wird im Rahmen der Mitgliederversammlung 2018 ebenfalls im Schloss Hohentübingen im Rittersaal stattfinden (das genaue Datum wird demnächst hier bekanntgegeben).

 

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