Zum Bildungsplan Bildende Kunst 2016 Teil II

von Lutz Schaefer | 21. November 2016

von Ernst Hövelborn

Die tägliche, immer wieder anregende Lektüre des Bildungsplans 2016 in seiner Endfassung lässt auf keinen Fall Endzeitstimmung aufkommen, sondern fordert auf mit „offenem Blick“ auf die Welt zu schauen und dies womöglich derart, dass sie auf einen wieder zurückschaut, ohne dabei Rückschau zu halten. So heißt es: „Bildende Kunst schafft umfassende Bezüge zu den Leitperspektiven des Bildungsplans und unterstützt die Entwicklung von Kenntnissen, Fähigkeiten und Einstellungen bei Kindern und Jugendlichen“.

„Herr führe mich und leite“ so fordert es das fromme Gemüt, insofern ist Leitung und Leitperspektive per se auf schwäbisch net schlecht, wenn auch die Berührung mit den Leitplanken unserer Straßen zuweilen net grad guet isch! Daher gilt es sich in gewisser Hinsicht fern von allen Leit- Planken-Gedanken zu halten, aber sich doch von ihnen führen und vor allen Dingen bilden zu lassen. Johann Wolfgang Goethe hat in seinen Bildungsroman den guten Wilhelm Meister mit vielen Dingen des Lebens und der Natur konfrontiert, doch Bildung für nachhaltige Entwicklung scheint ihm entgangen zu sein, wiewohl sich Wilhelm Meister durchaus auch mit der Land- und Forstwirtschaft beschäftigt hat.

Die Bildende Kunst, wie könnte es anders ein, leistet dazu einen „wichtigen Beitrag zum Erfassen nachhaltiger Prozesse“. Was nun erfasst wird, wird nicht so recht klar, es geht nicht um Kleinigkeiten sondern um „Globalisierungsprozesse“, die man aus „aktuellen und überlieferten Bildern“ herauslesen kann und die, man glaubt es kaum, liest aber freudig überrascht, führen zum „Verständnis globaler Prozesse und nachhaltiger Entwicklung“. Dies ermöglicht wiederum „Orientierung, Ausprägung von Haltungen und gemeinschaftsfähige Teilhabe“. Der Schlusssatz wirkt in seiner Ermöglichung erhebend. Schon Martin Heidegger wies darauf hin, dass das Mögliche über dem Wirklichen stehe!

Die zweite Leitperspektive in ihrem Bekenntnis zu „Bildung von Toleranz und Akzeptanz von Vielfalt“ berührt unmittelbar die Bildende Kunst in ihren Kennzeichen „Originalität und Individualität“. Beliebt sind zurzeit Autokennzeichen, die wieder lokale Identität vermitteln. So freut sich der Leonberger, dass er wieder sein „Leo-Schildle“ am Auto hat und vor allen Dingen damit für Vielfalt und etwas Originalität sorgt. Für Autofahrer gilt natürlich ebenso „Achtung und Wertschätzung der Verschiedenheit“, während es bei der „Integration von Unerwartetem“ besonders bei einem Auffahrunfall, doch nicht so ganz reibungslos über die Bühne gehen würde, trotz gewisser Kennzeichnungen, wie im Fach Bildende Kunst.

„Unverhofft kommt oft“ so weist ein Sprichwort auf das „Unerwartete“ hin, wobei, wenn man im Bildungsplan aufmerksam weiterliest und sich alle gedanklichen Assoziationen verbietet, dann stehen das „Tolerieren andersartiger Bildtraditionen, Denk- und Handlungsweisen sowie das Akzeptieren anderer Lebensformen und Entwürfe“ als „strukturelle Bestandteile des bewussten Umgangs mit der Kunst“ als Leuchtmarken vor der Leser*in.

Zu dem bildungsplanmäßigen Umgang kann man allen, die Gutes für ihre Kinder wollen, zuraten, weil er zusätzlich noch mit Gewinn verbunden ist, da er beiträgt zu einer „Offenheit gegenüber gesellschaftlichen und kulturellen Fragestellungen sowie zur Selbst- und Identitätsfindung bei Kindern und Jugendlichen“. Bildende Kunst stellt weiterhin, wenn man vom Kunstmarkt absieht, „Vorurteile, Stereotypen, Klischees und dogmatische Ansichten grundsätzlich in Frage.“ Da kommt einiges auf die künstlerisch erregten und pädagogisch bewegten Lehrpersonen in Bildender Kunst zu- aber offenbleiben! Die Demonstranten gegen Stuttgart 21 wollten dagegen nur oben bleiben.

 

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