Haupt-Sache Kunst

von Lutz Schaefer | 11. Mai 2009

Am Montag, dem 4. Mai 2009, fand im ZKM in Karlsruhe der zweite Kongress der Landesregierung Baden-Württemberg zu diesem Thema statt. Wie schon vor dreieinhalb Jahren waren dazu Vertreter aus Musik, Theater, Bildender Kunst und Bildung geladen. Wir, die wir für die Bildende Kunst stehen, waren von Anbeginn schon wieder zweifelnd gestimmt, denn in keinem Fachforum der Tagung war die Bildkunst vertreten, höchstens noch im Forum der Museen. Die Programmatik dieser Kongresse entlarvt ja subtil in ihrer Themenplanung das Verständnis von ‚Kunst’, das ohne Zweifel und Seitenblick in der landespolitischen Führung deutlich auf Musik und Theater als ‚Leuchttürme’ der baden-württembergischen Kulturpolitik fokussiert ist. Es gibt dennoch positive Ansätze zu würdigen und ausdrücklich auch festzuhalten: Die Oettinger-Landesregierung hat bei einem ersten Leuchtfeuer im November 2005 einen ‚Landeskunstbeirat’ ernannt und diesen beauftragt, Ideen und konkrete Vorschläge für eine Fortführung der (sehr erfolgreichen und an Folgen reichen) Kunstkonzeption des Jahres 1990 zu entwickeln. Sie hat nun wieder zu einem Kongress geladen, um das Plenum noch einmal versammelt zu wissen, bevor die Arbeit dieses 14-köpfigen Landeskunstbeirates im November 2009 offenbar erlöschen soll. (Mitglieder und Inhalte unter www.mwk.baden-wuerttemberg.de , Stichwort „Landeskunstbeirat“). Dieser Beirat hat einige bemerkenswerte Vorschläge erarbeitet, die insbesondere, wenn sie auf die ‚kulturelle Bildung’ (was das auch immer genau sein mag!) bezogen waren, vom Ministerpräsidenten in seiner Rede direkt aufgegriffen und als Planungsperspektiven seiner Politik formuliert wurden: So soll an jeder Schule des Landes (wenigstens und unbedingt im Ganztagesbetrieb) eine Lehrkraft beauftragt (und angemessen dafür ausgestattet!) werden, um die Kontakte zu kulturellen außerschulischen  Partnerinstitutionen vor Ort (in städtischen Zentren wie in ländlichen Regionen) zu initiieren, zu festigen und inhaltlich wie organisatorisch aufrecht zu erhalten (‚Kulturbeauftragter der Schule’!). Nicht nur die weitestgehend schon gelungene Kooperation mit Partnern in der Wirtschaft, sondern künftig auch die Partnerschaft mit Kunst- und Kulturinstitutionen wurde also für baden-württembergische Schulen in gleicher Wertung proklamiert und in Aussicht gestellt. Hoffen wir, dass an dieser Stelle der Kultusminister besonders gut mitgehört hat! Der Nutzen und die Notwendigkeit von Kunst und Kultur wurden ausdrücklich betont. Desgleichen wurde erklärt, dass alle künstlerische Betätigung in den Schulen selbstverständlich nicht Gegenstand von peripheren Betreuungs- oder gar Beschäftigungsangeboten werden soll, sondern unabdingbarer und wesentlicher Bestandteil von Bildungsarbeit ist und bleibt. Sollten hierzu KünstlerInnen im Unterricht an den Schulen eingesetzt werden, wäre dies von der Sache her zu begrüßen, jedoch unbedingt an eine pädagogische Vor-Schulung, bzw. an einen Eignungsnachweis für Unterricht, dann aber auch an eine mit LehrerInnen gleichwertig zu bemessenden Vergütung zu binden. Die Aktivität von KünstlerInnen aller Sparten im Unterricht darf und ‚kann nie den etablierten Kunst- oder Musikunterricht ersetzen’ (Staatssekretär Birk in seiner Schlussansprache), kann  sich jedoch an Kunst und Gesellschaft orientiert gut in Projekten mit außerschulischen Partnern öffnen. ‚Künstler dürfen nicht die ‚Füller’ von unausgearbeiteten pädagogischen Ganztagskonzepten werden.’ (Ernst Elitz, Vorsitzender des Landeskunsbeirats) Unterm Strich wünschte ich mir eine weiterführende und fortdauernde, konstruktive Weiterarbeit dieses Landeskunstbeirats, dabei allerdings (und überhaupt) eine stärkere Hinwendung und Blickrichtung auf die bildende Kunst, auch eine direkte Vertretung durch eine kompetente Person der bildenden Kunst, eine noch größere Bewusstseinsbildung bei den verantwortlichen Politikern für die immense Bedeutung von Bildern in der Bildung, wenigstens aber einmal eine beherzte und rasche Umsetzung der gemachten Vorschläge in der Bildungspolitik unseres Landes.

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